FILMVORTRAG ‚DOMINION‘

27.10.2018

„Es gehört nicht viel dazu, die Missstände, Ungerechtigkeiten und Grausamkeiten der Vergangenheit zu verurteilen. Viel mehr braucht es aber im Gegensatz dazu, die Missstände, Ungerechtigkeiten und Grausamkeiten der Gegenwart zu erkennen und - wenn möglich - abzustellen.“

Genau um diese Missstände, die auf Diskriminierung, Ausbeutung und extremer Gewalt gegenüber der Tierwelt beruhen, ging es am Samstagabend in DOMINION. Dies war das allererste Mal, dass ein kritischer Film im Tauchclub gezeigt wurde. DOMINION (engl. „Herrschaft“) zeigte einer kleinen, aber sehr interessierten Gruppe unseres Tauchclubs, die Realität des Lebens und Sterbens der Tiere, die für die Fleisch-, Milch-, Eier-, Bekleidungs-, Kosmetik-, Forschungs- und Unterhaltungsindustrie, schlicht als Ware behandelt werden. – wie gefühlslose Produktionseinheiten, deren Leben nicht mehr wert ist, als der Erlös aus ihren Körperteilen und –sekreten.

Ebenso wie die Standardpraktiken aus der Massentierhaltung, aus der weltweit 98% dieser 70 Milliarden im Jahr geschlachteten Landtiere kommen, wurden auch kleinbäuerliche Betriebe, bzw. Methoden der Freiland- und Biohaltung in der 2-stündigen Dokumentation gezeigt. Wir erfuhren, dass auch wenn es diese sehr geringe Anzahl an verbleibenden „Erzeugern“ gibt, die nach höchsten Tierschutzstandards, nach bestem Gewissen und nach bestem Wohl für die Tiere als auch für die Umwelt handelt, gibt… so ernüchternd ist dennoch die Einsicht, dass auch diese Tiere für nichts weiter als ein fliehendes Geschmackserlebnis dem wertvollsten beraubt werden, was sie haben- ihrem Leben. Sie kämpfen dafür bis zum Schluss.

„Gibt es Fleisch von glücklichen Tieren wirklich? - oder nur von toten?“

Nicht nur für Fleisch werden Tiere getötet, sondern auch für Milch und Eier. Milchkühe geben nur Milch, wenn sie ein Kalb zur Welt gebracht haben. Sie werden für etwa 4 – 6 Jahre lang jährlich künstlich besamt, um die Milchleistung konstant zu halten. Das Besamen findet in der Regel in einer Apparatur statt, die sich im Englischen „rape rack“ nennt. Der Name spricht Bände. Nach 9 Monaten Schwangerschaft bringen sie ein Kalb zur Welt, das je nach Geschlecht folgender Prozedur zum Opfer fällt. Ist das Kalb männlich, so ist es ein „Abfallprodukt“ und wird entweder sofort am Tag der Geburt getötet, oder für Kalbfleisch mit einem eisenarmen Futter (das zur Blutarmut führt, aber weißes Fleisch sicherstellt) 4 Monate lang in Einzelhaltung gehalten und anschließend ebenfalls zum Schlachter geführt. Ein weibliches Kalb wird ebenso direkt oder nach einigen Stunden/Tagen der Mutter entrissen, wobei beide tagelang lautstark nacheinander trauern, um sie ebenfalls in Einzelhaltung aufzuziehen. Mit einem Alter von ca. 1 Jahr wird diese junge Kuh dem gleichen Schicksal wie dem ihrer Mutter zugeführt- eine Milchmaschine für die nächsten 5 Jahre, bis ihre Milchleistung nachlässt, sie keine Kälber mehr gebären kann, oder sie schlicht zu schwach ist um sich auf den Beinen zu halten. Sie gelten dann in der Branche als „verbraucht“ und werden dann für billiges Hamburger-, Hackfleisch oder Tierfutter geschlachtet. Kühe und Rinder haben normalerweise eine Lebenserwartung von 20 - 25 Jahren. Auch auf 20 Jahren würden (Lege)Hennen kommen, wenn sie 1. nicht männlich zur Welt kommen, denn auch dann wären sie für die Industrie unbrauchbar- männliche Küken legen später keine Eier und setzen auch zu wenig Fleisch an. Sie werden am Tag der Geburt entweder vergast, geschreddert oder ersticken qualvoll in Plastiktüten auf dem Müll. Und 2., wenn sie nicht über 300 Eier im Jahr legen müssten. Durch selektive Züchtung und Genmanipulation sind Hühner so verändert worden, dass sie meist unter künstlichem Tageslicht und unter starken Verlusten ihrer Knochenstruktur, von ursprünglich 15 Eier im Jahr auf über 300 kommen. Auch sie gelten nach etwa 1,5 Jahren als „verbraucht“ und enden in der Regel als Suppenhuhn oder Tierfutter.

Ein weiterer Aspekt der (Aus)Nutztierhaltung- den schwerwiegenden Folgen für Umwelt und Mensch, wurde im letzten Teil des Films dargestellt. Demnach erzeugt die Tierhaltung mit weltweit 51% mehr klimaschädliche Treibhausgase, als der gesamte Transportsektor zusammen. D.h. mehr CO2 als alle Fahrzeuge zu Land, zu Wasser und in der Luft, zusammen! Hinzu kommt das Methangas, dass 26 mal schädlicher auf das Klima wirkt, wie CO2- sich aber bei weitem schneller aus der Atmosphäre abbauen ließe, wenn man diese gigantischen, unvorstellbaren Tierzahlen verringern würde. Methangas gelangt hauptsächlich aus den Mägen und rektalen Gasen der Tiere in unsere Atmosphäre. Egal wie sehr wir uns anstrengen den CO2- Ausstoß unserer Energiegewinnung und unserer Autos zu verringern- es wird Jahrhunderte dauern, bis wir positive Auswirkungen auf das Weltklima wahrnehmen können. Selbst, wenn wir sofort auf 100% erneuerbare Energien und Antriebe umstellen könnten! Die Reduktion der Tier-, und Schlachtzahlen wäre die weitaus effektivere und ethischere Lösung.

Da sich der Tierproduktkonsum der westlichen Welt auch negativ auf Menschen vom Rest der Welt auswirkt, lernten wir im gleichen Atemzug, dass tierische Produkte zu Essen eben keine „Privatsache“ sein kann. Es benötigt 16 kg Getreide um 1 kg Rindfleisch zu erzeugen. Außerdem rund 10.000 Liter Wasser. 1.000 Liter Wasser braucht es für nur einen Liter (Kuh)Milch… und doch leiden rund 800 Millionen Menschen auf der Welt an Hunger und noch mehr haben keinen Zugang zu frischem Trinkwasser. Das Getreide, das wir an unsere Tiere verfüttern, wird vorwiegend aus diesen Ländern importiert. Es wird vielleicht verwundern, dass auch bis zu 40% aller gefangenen Fische an „Nutztiere“ verfüttert werden. Mit den momentanen Ressourcen könnte man rund 10 Milliarden Menschen rein pflanzlich ernähren und sogar noch Agrarfläche einsparen, um diese wieder in Wälder und Rückzugsmöglichkeiten für Wildtiere umzuwandeln.

Bezüglich der gesundheitlichen Vorteile einer rein pflanzlichen Ernährung, wurde darauf ebenfalls kurz eingegangen und nach dem Film noch eifrig erklärt. Die koronare Herzkrankheit ist die häufigste Todesursache weltweit. Bisher konnte nur eine einzige Ernährungsform- eine VOLLWERTIGE PFLANZLICHE ERNÄHRUNG zeigen, dass sie imstande ist, sogar eine bestehende, fortgeschrittene koronare Herzerkrankung nicht nur zu verhüten, sondern zu reversieren! Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) stufte außerdem bereits im Jahr 2015, rotes und verarbeitetes Fleisch (z.B. Wurst) als karzinogen, sprich: krebserregend, ein. Genauso wie Rauchen und Asbest. In den USA ist es z.B. auch verboten Eier als gesund, nährstoffreich oder sicher zu bewerben. Etliche Ernährungsgesellschaften, wie z.B. denen der Länder wie USA, Kanada, Großbritannien, Australien oder Portugal, sprechen sich in ihren Positionspapieren zu Ernährung und Gesundheit, schon über einem Jahrzehnt für eine gut geplante vegetarische-, bzw. vegane Ernährung aus. Diese Ernährungsweisen sind angemessen und bedarfsgerecht in allen Abschnitten des menschlichen Lebens, inklusive der Schwangerschaft, Stillzeit, dem Säuglings-, Kindes- und Jugendalter sowie für Senioren und Athleten.

Eine vollwertige pflanzliche Ernährung kann nicht nur sehr gesund sein, sondern kann auch sehr gut aussehen und schmecken. Dazu wurden 2 Tische mit Informationsmaterial rund um die vegane Lebensweise, mit Rezeptbüchern, wissenschaftlicher Literatur und zudem noch einiges zum Probieren angeboten. Pflanzliche Milchalternativen können gerne täglich auf dem Speiseplan stehen, sowie vollwertige Lebensmittel aus den 5 Lebensmittelgruppen: (Voll)Getreide, Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse & Samen. Seltener sollten stark verarbeitete Nahrungsmittel, die wiederum viel gesättigte Fette, Salz, Zucker, etc. enthalten, verzehrt werden.

Es war noch nie so einfach mit den eigenen Werten, wie Fairness, Mitgefühl, Anstand und Moral im Einklang zu leben. Die gute Nachricht ist, dass wir wirklich einen positiven Einfluss darauf haben können, was in dieser Welt passiert. Und das 3 mal am Tag. Unsere Entscheidung was wir essen ist keineswegs eine banale. Sie entscheidet im wahrsten Sinne des Wortes über Leben und Tod.

Die eigene Freiheit hört da auf, wo die Freiheit eines anderen beginnt- und Tiere zählen zu „den anderen“. Filme wie DOMINION sind nötig, um den Wissensstand über die Thematik auf ein gemeinsames Niveau zu bringen, sodass ein tieferes Gespräch über unser Recht Tiere nach unserem Belieben und für unsere Zwecke auszunutzen, stattfinden kann.

Wenn wir OHNE Tiere zu töten gesund und glücklich leben können, warum sollten wir es dann nicht tun?

Wer es nun doch genauer wissen will, bekommt z.B. hier weitere Infos zur pflanzlichen Ernährung: https://www.simply-live-consciously.com/deutsch/startseite/

Großer Dank an alle, die beim Aufbau und der Organisation der Veranstaltung geholfen haben und an alle die da waren. Im Zuge der Filmvorführung wurde auch eine Spendenbox für den “Tierschutzverein Deggendorf und Umgebung e.V.“ aufgestellt, wovon 100% der geleisteten Spende bereits auf das Konto des Tierschutzvereins überwiesen worden ist. Auch hierfür nochmal ein herzliches Dankeschön.

Bericht: Daniel Kuchler